Akteneinsicht im Strafverfahren

Die Akteneinsicht im Strafverfahren ist ein unheimlich wichtiger Prozess. Dabei ist es ganz egal, ob es sich beispielsweise um den Vorwurf von Diebstahl, Betrug, Sachbeschädigung oder Körperverletzung handelt. Denn nur wenn Sie den Inhalt Ihrer Ermittlungs- oder Gerichtsakte kennen, sind Sie dazu in der Lage, sich eine vernünftige Verteidigungsstrategie aufzubauen.

So können Sie beispielsweise den Ermittlungsbericht der Polizei lesen. Jegliche Zeugenaussagen stehen Ihnen schriftlich zur Verfügung. Sofern Gutachten erstellt wurden, erlangen Sie auch davon vollständige Kenntnis durch die Akteneinsicht. Ohne dieses Wissen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie Fehler bei der Verteidigung begehen.

Unbedingt beachten:

Nur bei Kenntnis der vollständigen Ermittlungsakte lässt sich eine optimale Verteidigung gegen die von der Staatsanwaltschaft erhobenen strafrechtlichen Vorwürfe aufbauen.

Lesen Sie sich die Akte gründlich durch, bevor Sie sich gegenüber der Ermittlungsbehörde zu den Vorwürfen äußern.

Akteneinsicht durch einen Verteidiger

Sofern Sie in einem Strafprozess beschuldigt werden, ist ein von Ihnen als Verteidiger beauftragter Rechtsanwalt berechtigt, alle Akten und amtlich verwahrten Beweisstücke einzusehen.

Ist noch keine Anklage erhoben, bezieht sich dieses Recht auf die Akten und Beweisstücke, die im Falle der Erhebung einer Anklage dem Gericht vorzulegen wären.

Leider gelten jedoch auch für den Verteidiger Einschränkungen. Sollten die Ermittlungen noch nicht beendet sein, kann dem Rechtsanwalt die Einsicht in die Akte oder in einzelne Teile davon untersagt werden, wenn das den Untersuchungszweck des Ermittlungsverfahrens beeinträchtigen würde. Gleiches gilt ebenfalls für die Besichtigung von Beweisstücken.

Der Verteidiger genießt bei Gewährung von Akteneinsicht das Privileg, dass ihm die Akte mit Ausnahme der Beweisstücke zur Einsicht in sein Büro oder seine Wohnung mitgegeben werden können.

Zu bedenken ist allerdings immer:

Auch dem als Verteidiger engagierten Rechtsanwalt darf die Akteneinsicht im Ermittlungsverfahren bei Gefährdung des Untersuchungszwecks verweigert werden. In diesem Teil des Strafverfahrens gibt es daher keine hundertprozentige Garantie, schnell an den Akteninhalt heranzukommen.

Akteneinsicht durch den Beschuldigten

Ein Beschuldigter, der keinen Verteidiger beauftragt hat, ist in seinem Recht, die Akten der Strafverfolgungsbehörden einzusehen, stark beschränkt. Nur auf seinen Antrag sind ihm Auskünfte sowie Abschriften aus den Akten zu erteilen.

Das aber auch nur, sofern es zu einer angemessenen Verteidigung notwendig ist. Sollten schutzwürdige Interessen von anderen Personen entgegenstehen oder die Untersuchungszwecke von Strafverfahren bedroht sein, dürfen die Behörden die Akteneinsicht ganz verweigern.

Das müssen Sie als Beschuldigter wissen:
  • Ihr Recht als Beschuldigter, die Akten in einem Strafverfahren einzusehen, unterliegt im Gegensatz zu den Rechten des von Ihnen beauftragten Verteidigers starken Einschränkungen.
     
  • Die Staatsanwaltschaft, die gegen Sie ermittelt, kann nach deren Dafürhalten darüber entscheiden, welche Teile der Akte Ihnen als Kopie übersandt werden und welche nicht.

Akteneinsicht für Personen, die nicht Beschuldigte sind

Sollten Sie durch das strafbare Verhalten eines Dritten geschädigt worden sein, ist die Akteneinsicht über einen bevollmächtigten Rechtsanwalt möglich. Allerdings muss ein berechtigtes Interesse nachgewiesen werden.

Sollten Sie beispielsweise Schadensersatzansprüchen in einem Zivilprozess gegen eine andere Person geltend machen, die strafrechtlich verfolgt wird, steht Ihrem Anwalt das Recht zu, die Akten der Staatsanwaltschaft beziehungsweise des Strafgerichts einzusehen.

Dieser Fall kommt in der Praxis häufig vor, wenn Sie Opfer eines Verkehrsunfalls werden. Gegen den Fahrer des gegnerischen Fahrzeuges wird dann in vielen Fällen wegen fahrlässiger Körperverletzung strafrechtlich ermittelt. Die entsprechende Strafakte kann von Ihrem Anwalt eingesehen werden.

Das müssen Sie als Unbeteiligter bei der Akteneinsicht beachten:
  • Immer dann, wenn Sie ein berechtigtes Interesse haben, steht Ihnen auch als Unbeteiligter die Akteneinsicht über einen Rechtsanwalt in einem Strafverfahren zu.
     
  • Ein berechtigtes Interesse ist beispielsweise gegeben, wenn Sie von einem Straftäter geschädigt wurden und zivilrechtliche Ansprüche gegen diesen geltend machen wollen.


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