Akteneinsicht durch einen Anwalt

Akteneinsicht ist grundsätzlich mit oder ohne Rechtsanwalt möglich. Die Frage, ob ein Anwalt für die Einsicht der Akte eingeschaltet werden sollte, lässt sich nicht ohne weitere Überlegungen beantworten.

Allgemein führt die Aktensicht durch einen Anwalt natürlich dazu, dass Sie schnell und zuverlässig Kenntnis von dem Akteninhalt bekommen. Auf der anderen Seite verursacht die Beauftragung eines Rechtsanwaltes selbstverständlich Kosten.

Eine Akte vollständig zu kopieren, wird Ihnen vermutlich genauso leicht fallen wie einem Anwalt. Daraus lässt sich schließen, dass die Einschaltung eines Rechtsanwaltes für die bloße Akteneinsicht immer dann unnötig ist, wenn Sie diese Tätigkeit selbst ohne große Hindernisse durchführen können.

Straf- und Bußgeldverfahren

In bestimmten behördlichen Verfahren unterliegen Sie als Bürger im Hinblick auf die Akteneinsicht nicht unerheblichen Beschränkungen. In einem Strafverfahren erhält beispielsweise nur ein Rechtsanwalt Einblick in die vollständige Ermittlungsakte.

§ 147 Absatz 1 StPO lautet:

Der Verteidiger ist befugt, die Akten, die dem Gericht vorliegen oder diesem im Falle der Erhebung der Anklage vorzulegen wären, einzusehen sowie amtlich verwahrte Beweisstücke zu besichtigen.

Immer dann, wenn die Staatsanwaltschaft gegen Sie ermittelt und eine Anklage droht, ist die Kenntnis der gesamten Ermittlungsakte natürlich nicht unerheblich. In einem solchen Fall kann es also sehr sinnvoll sein, Akteneinsicht durch einen Rechtsanwalt zu nehmen.

Gleiches gilt auch im Bußgeldverfahren. Denn gemäß § 46 OWiG ist auch hier § 147 StPO anzuwenden. Sollte beispielsweise Ihr Führerschein durch eine im Straßenverkehr begangene Ordnungswidrigkeit bedroht sein, ist die Einsicht in die vollständige Ermittlungsakte wiederum nur durch einen Rechtsanwalt möglich.

Verwaltungsgerichtsprozess

Im Verwaltungsgerichtsprozess bestehen die Einschränkungen des Straf - und Bußgeldverfahrens nicht. Als Beteiligter garantiert Ihnen § 100 VwGO das Recht auf Einsicht in die Akte.

§ 100 VwGO lautet:
Die Beteiligten können die Gerichtsakten und die dem Gericht vorgelegten Akten einsehen.

Auf den ersten Blick erscheint es hier immer sinnvoll, auf die Akteneinsicht durch einen Anwalt zu verzichten. Mit etwas mehr Hintergrundwissen kann sich die Einschaltung eines Rechtsanwaltes dennoch lohnen.

Dazu muss man wissen, dass dem Bürger die Akteneinsicht regelmäßig nur vor Ort am Sitz des Verwaltungsgerichts gewährt wird. Immer dann, wenn Sie hohe Fahrtkosten für die Anreise zum Gerichtsort aufwenden müssen, kann sich mithin die Akteneinsicht durch einen Anwalt lohnen.

Tipp:
  • Kalkulieren Sie Ihren Zeit- und Kostenaufwand für die Akteneinsicht.

  • Berechnen Sie die Kosten für die Akteneinsicht durch einen Anwalt.
     
  • Entscheiden Sie erst dann, was besser für Sie ist.

Ähnlich sollten Sie auch bei der Akteneinsicht in einem Zivilprozess, beim Finanzamt oder bei einem Verwaltungsverfahren vorgehen.


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